Samstag, 26. September 2015

Jana Crämer - Das Mädchen aus der 1.Reihe





Verlag: juneberry
Seiten: 311
Erschienen: 15. August 2015
Preis: 12.80 Euro ( Ebook: 6.99 Euro )









Lea und ihre beste Freundin Jule sind nicht unbedingt das, was man Partygängerinnen nennen würde. Eher zufällig geraten sie in einem Club und noch gar nicht richtig angekommen, schmieden sie bereits Pläne um möglichst schnell wieder flüchten zu können, bis sich plötzlich alles ändert. 
In dem Moment, als die Band 'Joyning' die Bühne betritt, ist es um die beiden Mädchen geschehen. 
'Joyning', das ist eine Gruppe von begeisterten und äußerst talentierten Musikern um ihren Frontsänger Ben. 
Und nicht nur, dass die Jungs an diesem Abend eine Palette von Coversongs zum besten gaben, die den Laden zum Beben brachte, nein, ganz zufällig ist Ben auch noch der bestaussehendste Typ, den Lea ja gesehen hatte. 
Hin und weg beobachte sie ihn auf der Bühne ohne ihre Umgebung mehr im Mindesten wahr zu nehmen. 
Von diesem Tag an reisen die beiden Freundinnen den Jungs zu fast all ihren Auftritten-quer durch das Land- hinterher und lernen dabei die Band auch immer besser kennen.
Doch zu welchem Preis? Immer mehr muss sich Lea den Eifersüchteleien ihres weiblichen Umfeldes aussetzten. Dieses scheint die besondere Beziehung zwischen Ben und Lea schon lange nicht mehr auf der rein platonischen Ebene zu betrachten.
Doch woher glauben diese Menschen Recht zu haben wenn Lea noch nicht einmal selbst weiß, wie sie sich fühlen soll. 

Ich bin definitiv kein Mensch weniger Worte aber wenn ich dieses Buch mit einem Wort beschreiben müsste dann ist es: Überraschungstüte. 
Und zwar eine riesige bunte mit all den Dingen drin, die einen glücklich machen, die dir einen wohligen Gänsehautschauer bereiten und dich auffangen, wenn es dir schlecht geht.
"Das Mädchen aus der 1. Reihe" ist wohl eine der besten Überraschungstüten, die ich in letzter Zeit gelesen habe. 
Du glaubst zu wissen, worum es geht und denkst: "Okay, da ist dieses etwas unsichere Mädchen, die sich in den hübschen Sänger der Band verguckt und ihn wahrscheinlich aus der Ferne permanent anschmachten wird. Ziemlich vorhersehbar oder nicht?" Du hast keine Ahnung.
Du bist sicher jeden einzelnen Charakterzug der Protagonisten genau voraussagen zu können und stempelst den Sänger als 'Frauenheld' und Lea als 'naives kleines Mädchen' ab, das sich wahrscheinlich durchgehend über den Tisch ziehen lassen wird. Lass dir gesagt sein, du wirst ziemlich überrascht aus der Wäsche gucken.
Ich persönliche spreche mich überhaupt nicht davon frei und gebe zu, dass ich nahezu identische Vermutungen im Vorfeld über diesen Roman hatte, bis dann die Überraschungstüte angefangen hat zu knallen und nicht mehr damit aufgehört hat. 
"Das Mädchen aus der 1.Reihe" ist berührend, emotional und so unfassbar verletzlich, das mir an sehr vielen Stellen das Herz richtig weh getan hat.
Auf der anderen Seite strotzt dieser Roman nur so vor Lebensenergie und macht glücklich. 
Und vor allem verdeutlicht er eine Liebe, die bei keinem Menschen jemals zu Ende gehen wird, die unerreichte, manchmal emotional zerstörende aber einfach nur glücklich machende Liebe zur Musik. Sei es bei den Leuten, die auf der Bühne stehen und ihr Herzblut und alles, was sie haben, in jeden einzelnen Song legen, um das Publikum zu begeistern oder eben bei den Menschen im Publikum, die bei einem Konzert die Möglichkeit haben für eine kurze Zeit den Alltag zu vergessen, sich nur von der Musik tragen zu lassen und Kraft zu schöpfen für all das, was da kommen mag.
Vielleicht lag es daran, dass ich selbst eine begeisterte Konzertgängerin bin und bei jeder zweiten Seite gedacht habe "Verdammt man, genauso ist es!", dass mich dieses Buch etliche Straßenbahnhaltestellen verpassen ließ, weil ich so vertieft in der Geschichte von Ben und Lea war und mich Stunden im Bett wach gehalten hat, als ich eigentlich schon schlafen sollte (genauso übrigens in dem Moment, in dem ich diese Rezension schreibe).
Aber vielleicht hat Jana Crämer hier auch eine Geschichte erschaffen, die vor allem eins ist: Unvergleichlich. 

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