Donnerstag, 27. Juli 2017

Derek Landy - Demon Road - Höllennacht in Desolation Hill





Verlag: Loewe
Seiten: 446
Erschienen: 24. Juli 2017
Preis: 19.95 Euro (Ebook: 14.99 Euro)







Immer noch befinden sich Amber und Milo auf der Flucht. Auf der Demon Road verfolgen sie die Höllenhunde, geschickt vom biestigen Oberdämon, den Amber die Tour vermasselt hat. Zuflucht finden sie in dem friedlichen Städtchen Desolation Hill. Doch schnell wird klar, dass etwas in dem beschaulichen Örtchen nicht stimmt. Die Höllenhunde können, aufgrund einer unsichtbaren Barriere, die Stadtgrenze nicht überqueren. Zudem ist es die Zeit vor einem großen Festival, an dem alle Fremden die Stadt verlassen müssen und die Kinder in Panikräume eingeschlossen werden. Allein die Erwachsenen scheinen zu wissen, was in der sogenannten Höllennacht passieren wird. Und sie kommen dabei fast um vor Vorfreude.
Als kurz vor Beginn der Höllennacht ein kleiner Junge spurlos verschwindet und sich niemand für sein Verschwinden zu interessieren scheint, wird Amber schnell klar, dass hier mal wieder jemand einen Pakt mit einem Dämon geschlossen hat, und dass nun ein unschuldiges Kind sterben soll. Doch das will Amber nicht zulassen und schmiedet mit Milo und neuen Verbündeten einen Plan, um den Dämonen das Handwerk zu legen.

Herzlich Willkommen zum zweiten Abenteuer auf der Demon Road, mit dabei das Dämonenduo Amber und Milo und jeder Menge cooler und schräger Typen. Nachdem mir der Auftakt zur 'Demon Road' Reihe von Derek Landy schon ziemlich gut gefallen hat, legt die Fortsetzung "Höllennacht in Desolation Hill" tatsächlich noch einmal einen drauf. 
Dieses Mal geht es auch nicht nur ausschließlich um die beiden Hauptprotagonisten Amber und Milo, die auch in der Fortsetzung den typischen Status eines Antihelden einnehmen. Viel mehr baut Derek Landy einige, unabhängig voneinander laufende, Handlungsstränge auf, stellt neue Charaktere vor und verflechtet dann die Stränge miteinander, um daraus einen Handlungsablauf zu konstruieren. So lernt der Leser vor allem die neuen Figuren auf eine ganz eigene Art und Weise kennen. Ich habe viele der Charaktere sofort lieb gewonnen, was natürlich in einer Welt voller Dämonen schnell nach hinten losgehen kann. Nur, weil Amber und Milo nicht mehr alleine interagieren, heißt das aber noch lange nicht, dass sie weniger interessant sind. Wie bereits erwähnt, verkörpern die beiden die obligatorischen Antihelden. Sie pendeln permanent zwischen ihren bösartigen Zügen, innerhalb ihres Dämonen-Daseins, Eigensinn, Egoismus und ihrem Sinn für Gerechtigkeit und für das Gute zu kämpfen. Vor allem Amber sticht wieder einmal heraus, weil sie auch in der Fortsetzung mit ihrer Menschenrolle hadert, in der sie sich selbst mit ihrer Größe und ihrer molligen Figur nicht wohl fühlt, während sie in ihrem Dämonen-Körper Schönheit und Selbstbewusstsein ausstrahlt. Diese Diskrepanz zwischen beiden Verkörperungen spielt gerade am Ende des zweiten Teils noch einmal eine entscheidende Rolle. Derek Landy hat mit Amber eine wirklich interessante und vielschichtige Heldin erschaffen, die gerade mit den Problemen des eigenen Körpers vom typischen Heldendiskurs abweicht. Die Botschaft dahinter sticht aber mindestens genauso deutlich heraus und zwar, dass jeder eine individuelle Schönheit besitzt, auch wenn er sie nicht immer sehen kann. 
Ansonsten ist die Fortsetzung der 'Demon-Road' Reihe wieder einmal nichts für schwache Nerven. Jede Menge Action, Horror und blutrünstige Szenen erwarten den Leser mit dem ein oder anderen Wiedersehen von alten Bekannten. 
Vor allem aber muss ich wieder einmal den Vergleich ziehen, den ich auch schon in der Rezension zum ersten Band gezogen habe: Auch die Fortsetzung wirkt an mehr als einer Stelle so, als würde ein Quentin Tarantino Film vor dem inneren Auge abgespult werden. Gerade bei einem Kapitel am Ende der Geschichte lag ich vor Lachen auf dem Boden, eine einzige Slapstick-Szene, bei der man die ganze Zeit auf das 'Cut' von Mr. Tarantino gewartet hat. Definitiv ein Vergleich, der mehr als lobenswert gemeint ist.
Schräge Typen, coole Dialoge, vielleicht sogar ein bisschen Liebe und jede Menge Action und Spannung. Derek Landy ist mit "Höllennacht in Desolation Hill" eine großartige und mehr als lesenswerte Fortsetzung gelungen. Das einzig Negative, was man an den Buch auszusetzen haben könnte, ist die letzte Seite, auf der der dritte Teil für den März 2018 angekündigt wurde. 
Jetzt heißt es Warten. 

Montag, 24. Juli 2017

Stefanie Hasse - Schicksalsbringer - Ich bin deine Bestimmung




Verlag: Loewe
Seiten: 418
Erschienen: 24. Juli 2017
Preis: 16.95 Euro (Ebook: 9.99 Euro)








Als junges Mädchen bekommt Kiera auf einem Jahrmarkt von einem Unbekannten eine geheimnisvolle Münze geschenkt. Erst als wunderbarer Schatz aufbewahrt, verliert die Münze über die Jahre an Wert für Kiera und irgendwann denkt sie überhaupt nicht mehr darüber nach. Bis zu dem Tag, an dem sie, wegen eines bevorstehenden Umzuges, zufällig die Münze wieder in die Hände bekommt. Beim näheren Betrachten, schneidet sich Kiera unabsichtlich an dem Schmuckstück und stellt damit ungewollt ihr ganzes bisheriges Leben auf den Kopf. Denn plötzlich geschehen seltsame Dinge in ihrer unmittelbaren Umgebung, die sich Kiera nicht erklären und deshalb nur in Verbindung mit der geheimnisvollen Münze bringen kann. Und welche Rolle spielen eigentlich die beiden mysteriösen und ziemlich gut aussehenden Jungen, die mitten im Schuljahr plötzlich in Kieras Schule auftauchten? Ehe sie sich versieht, steckt sie mittendrin in einem Kampf, bei dem Mächte im Spiel sind, die sie sich nicht einmal in ihren kühnsten Träumen vorstellen konnte...

Stell dir vor, du bist jemand, dem das Schicksal schon einmal übel mitgespielt hat und plötzlich bekommst du die Macht das alles zu ändern. Mit dieser, gewiss nicht nur faszinierenden, sondern auch gefährlichen Machtposition, beschäftigt sich Stefanie Hasse im Auftakt ihrer neuen Diologie "Schicksalbringer - Ich bin deine Bestimmung". 
Angefangen hat alles mit einer geheimnisvollen Münze, die die Protagonistin Kiera als kleines Mädchen von einem ihr unbekannten Mann auf einem Jahrmarkt zugesteckt bekommt. Unbemerkt, weil sie sie schlichtweg vergessen hat, befindet sich die Münze einige Jahre in Kieras Besitz, als sie sie zufällig wiederfindet. Von diesem Fund baut sich dann das gesamte fantastische Erzählkonstrukt auf, das Stefanie Hasse hier erschaffen hat. Während man das plötzliche Auftauchen der geheimnisvollen Brüder Phoenix und Hayden in Kieras Schule zwar als mysteriös aber als nicht weiter verwunderlich empfindet, setzt der Fund der Münze Dinge in Gang, die sich Kiera nicht erklären kann und die genau deswegen so spannend zu lesen sind. Dieser Übergang von der normalen und rationalen Welt in den fantastischen Bereich, hat mir, innerhalb der Handlung, sehr gut gefallen. Zusammen mit der Protagonistin Kiera und ihren verwirrten Gefühlen, verlässt der Leser das Leben, das Kiera bisher kannte und betritt völliges Neuland. Auch das Fantasy-Thema an sich, auf das ich an dieser Stelle natürlich nicht näher eingehen möchte, um nichts vorwegzunehmen, war unglaublich gut gestaltet und umgesetzt. 
Dann muss sicherlich noch einmal dieses große Wort 'Schicksal' genauer unter die Lupe genommen werden, das ein Hauptthema in Stefanie Hasses Geschichte darstellt. Immer mehr erkennt Kiera, mit was für einer großen und machtvollen Aufgabe sie da eigentlich betraut wurde. Mit dieser großen Verantwortung wirft die Geschichte dann auch persönliche moralische Fragen auf. 
Wie weit kann man gehen, bis man zu intensiv in das Leben einer fremden Person eingreift? 
Und was passiert, wenn das Nicht-Eingreifen in das Schicksal keine Option darstellt?
Genau diese Diskrepanz zwischen der Überforderung ihrer Aufgabe, Kieras moralischen Grundsätzen und der Unabwendbarkeit ihrer Bestimmung, fand ich ebenfalls unglaublich gut gelungen. 
"Schicksalbringer-Ich bin deine Bestimmung" ist ein vielversprechender Auftakt geworden, bei dem natürlich auch die obligatorische Liebesgeschichte nicht fehlen durfte. Und obwohl die Geschichte viele typischen Elemente eines Jugendfantasyromans beinhaltet, habe ich mir sehr gut unterhalten gefühlt, mitgefiebert und bin nach dem fulminanten Ende natürlich wieder ungeduldig und hilflos zurückgelassen worden. Ich freue mich schon sehr auf das Finale. 


Montag, 17. Juli 2017

Lesemonat Juni

Herzlich Willkommen zu meinem abermals etwas verspäteten Lesemonat Juni. Im vergangenen Monat habe ich insgesamt sieben Bücher gelesen mit 2993 Seiten. Auch ein eigenes persönliches Highlight war dabei, was mal wieder zum Schluss verraten wird. Dann haben wir ja jetzt alle Fakten, los geht's!
Begonnen wird der Monat mit einem weiteren Buch von meinen Lieblingskönigskindern. "Jane und Miss Tennyson" von Emma Mills hat mich vor allem wegen der Jane Austen Thematik, die im Klappentext angedeutet wurde, neugierig gemacht und wieder einmal wurde ich angenehm überrascht. Zwar habe ich eine etwas andere Geschichte erwartet, trotzdem konnten mich die Charaktere und die Handlung überzeugen. Es war auch eines der ersten Königskindern, die eine etwas lockere Geschichte beinhaltet und nicht wie bei den anderen Büchern, die ich bisher gelesen habe, die schwerere Themen inne hatten. "Jane und Miss Tennyson" ist eine leichte und liebenswerte Geschichte geworden, die ich sehr gerne gelesen habe und die sich nahtlos zu meinen anderen Lieblingen aus dem Verlag gesellt. 
Weiter ging es im Juni mit dem ersten Teil von Sarah J. Maas neuer Fantasy-Reihe "A court of Thorns and Roses". Von diesem Buch hatte ich im Vorfeld schon einiges gehört, teils wurde es kritisiert und teils in den Himmel gelobt. Ich würde mich kurz vor der zweiten Gruppe verorten. Ich mochte die Heldin und auch die Geschichte konnte mich fesseln. Allerdings war nicht sofort der Wunsch da den zweiten Teil der Reihe zu lesen. Vielleicht brauch ich zwischendurch einfach eine Pause, werde mir aber trotzdem nicht mehr allzu lange Zeit lassen, bis ich die Fortsetzung beginne. Für alle Fantasy Fans und auch für Liebhaber von Märchenadaptionen ist "A court of Thorns and Roses" genau das Richtige, denn das Buch basiert zum Teil auf einer Adaption von "Die Schöne und das Biest". Dringende Leseempfehlung! 
Das nächste Buch aus dem vergangenen Monat war seit langer Zeit mal wieder ein Thriller. Der Klappentext von Jonas Winner "Murder Park" klang erst einmal nach nichts Neues. Eine Gruppe von Personen, die in einem verlassenen Vergnügungspark ausgesetzt wurden, der sich zufällig noch auf einer einsamen Insel befindet und plötzlich geschieht ein Mord. Es stellt sich die Frage, ob sich der Mörder unter ihnen befindet, oder ob sich eine unbekannte Person auf der Insel herumtreibt. Doch Jonas Winner ist es gelungen in dieses altbekanntes Ausgangsszenario etwas Neues und Frisches hineinzubringen. Gerade das Ende der Geschichte habe ich erst einmal überhaupt nicht so erwartet und hat mir wohl gerade deshalb so gut gefallen. Ein unglaublich gelungener Thriller, der sogar teilweise ein gewissen Hitchcock Flair besitzt. Wer es noch etwas ausführlicher haben möchte, für den habe ich noch eine Rezension geschrieben. 
Das nächste Buch aus dem Lesemonat Juni besitzt zwar nicht wirklich viele Seiten, hat aber dennoch eine großartige Geschichte zu erzählen. "Der Club" von Takis Würger ist ein grandioser Debütroman geworden, in dem die Geschichte eines einsamen Jungen erzählt wird, der ein Stipendium für die Universität in Cambridge bekommt und als Gegenleistung dort ein Verbrechen aufklären soll. Der Protagonist Hans wird in der Uni Mitglied des elitären Pitt Club und wird in die Elite eingeführt. Dabei verliebt er sich in Charlotte, die versucht ihn im Club zu integrieren. "Der Club" ist eine melancholische und voll vom beißendem schwarzen Humor beinhaltete Geschichte geworden, die mir sehr gut gefallen hat. Eine Geschichte, die die Grenzen zwischen richtig und falsch verschwimmen lässt und die wirklich großartig erzählt wurde. 
Weiter ging es im Juni mit meiner Wiedergutmachung der Margaret Atwood Leselücke, die ich mit ihrem wohl berühmtesten Roman "Der Report der Magd" wieder ein bisschen füllen konnte. Auch diese Geschichte, die sich nahtlos neben solchen Dystopien wie "Schöne neue Welt" von Huxley und "1984" von Orwell einreihen kann, hat mir wieder einmal sehr gut gefallen. Atwoods Schreibstil ist wirklich einzigartig. Sie konstruiert in "Der Report der Magd" eine Welt, in der die Rolle der Frau eben keine Rolle mehr spielt. Frauen aus dem Mittelstand haben keine Rechte mehr und werden als Gebährmaschinen für die elitäre Gesellschaft missbraucht, die aufgrund von vorangegangenen atomaren Katastrophen, keine Kinder mehr kriegen kann. Unglaublich gelungen und für mich fast schon eine Pflichtlektüre.
Im Lesemonat Juni habe ich eine weitere Trilogie begonnen, dieses Mal aus dem Science-Fiction Bereich. Der erste Teil von 'Red Rising' von Pierce Brown lag schon sehr lange auf meinem Stapel ungelesener Bücher, nachdem allerdings eine Bloggerkollegin so von dem Auftakt geschwärmt hat und die drei Bücher quasi am Stück gelesen hat, war ich der Meinung, dass es auch langsam Zeit wurde die Bücher zu beginnen. Ähnlich wie bei "A court of Thorns and Roses" haben es mir die Charaktere angetan und auch die Handlung hat mir gut gefallen, auch wenn sie sich am Anfang ein bisschen gezogen hat. Allerdings war auch hier nicht der Wunsch da die Reihe sofort weiterzulesen. Ich bin mir aber sicher, dass ich auch das bald nachholen werde. "Red Rising" ist eine Mischung aus Tribute von Panem und Game of Thrones, bloß im Weltall. Wenn das keine vielversprechende Verkettung ist. 
Kommen wir nun zum letzten Buch des Lesemonats Juni und zu meinem persönlichen kleinen Highlight. Von "Die Schule der Nacht", geschrieben von Ann A. McDonald habe ich im Vorfeld eigentlich gar nicht so viel erwartet, umso überraschter war ich natürlich, als mir plötzlich eine spannende College Story mit einem Hauch von Mystik und Fantasy um die Ohren gehauen wurde. Allein schon die Umgebung, in der die Geschichte spielt, spielt für die Handlung der Geschichte. Ein altes und traditionsreiches College in Oxford, das ein dunkles Geheimnis birgt und eine junge Frau, die inkognito aus Amerika nach England kommt, um das Geheimnis der Vergangenheit ihrer Mutter aufzudecken. Unglaublich spannend und geheimnisvoll erzählt und sehr lesenswert. Wer es noch etwas ausführlicher haben möchte, auch zu "Die Schule der Nacht" habe ich eine Rezension geschrieben. 

Das war er auch schon wieder. Mein Lesemonat Juni. Wer weiß, vielleicht war ja etwas für eure Wunschliste dabei oder ihr habt auch schon eines der Bücher gelesen?
Ich wünsche euch noch einen schönen Tag.

Lisa. 

Mittwoch, 12. Juli 2017

Chris Kraus - Das kalte Blut



Verlag: Diogenes
Seiten: 1200
Erschienen: 22. März 2017
Preis: 32 Euro (Ebook: 27.99 Euro)










Die beiden Brüder Hub und Koja Solm aus Riga beginnen ihre politische Laufbahn in Nazideutschland. Während Hub in seinem Element angekommen scheint, gerät Koja eher durch unglückliche Umstände in das Netz der NSDAP.
Nach dem Ende des Krieges arbeiten beide als Spione in der jungen Bundesrepublik. 
Schon früh adoptieren Hubs und Kojas Eltern die Jüdin Ev, die als Geliebte zwischen den beiden Brüdern immer wieder wechselt. Aus diesem Dreiecksgespann, das nicht nur eine Menge moralischer Fragen aufwirft, treten abenteuerliche politische Verwicklungen in Kraft. Denn die Geschichte der Familie Solm repräsentiert gleichsam die Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert. Einem Land, das nach seinem Untergang wieder aufersteht. 

"Normale Menschen, die zu Massenmördern werden". Dieses Buch, geschrieben vom Kulturwissenschaftler Harald Welzer, wird in der Danksagung von Chris Kraus' Roman "Das kalte Blut" vom Autor selbst erwähnt und als ein Titel bezeichnet, der auch gut zum hier vorliegenden Roman passen würde. Und das ist mehr als zutreffend. 
Koja Solm, der Protagonist dieser Geschichte, der im weit fortgeschrittenen Alter in einem Krankenhaus einem Hippie, namens Basti, seine Lebensgeschichte erzählt, verkörpert zunächst den klassischen Typen eines Durchschnittmenschen, der nach einer Verkettung unglücklicher Umstände in die NSDAP kommt. Ein Leben lang stand der künstlerisch begabte Koja im Schatten seines größeren und dominanten Bruders und gerade dieser Umstand, dass Hub eine gewisse Macht über seinen Bruder besitzt, ist auch wohl der Grund, warum sich Koja in dieses gefährliche Milieu hineinziehen ließ. An diesem Punkt enden aber auch schon jegliche Rechtfertigungsversuche für die Hauptfigur des Romans. Auch wenn Koja das ein oder andere Mal in seinem weiteren Lebensweg aus Angst um eine geliebte Person handelte, handelte er doch immer im vollen Bewusstsein und war sich der Tragweite seiner Entscheidungen bewusst. Spätestens zu dem Zeitpunkt, als der Leser diese Tatsache annimmt, wird auch deutlich, dass man es mit einer unglaublich unsympathischen Hauptfigur zu tun hat. Zumindest meiner persönlichen Empfindung nach.
Diese Erkenntnis kam mir sehr früh, während der Lektüre der knapp 1200 Seiten, dementsprechend überrascht war ich dann, dass es der Sogwirkung, die "Das kalte Blut" zweifellos besitzt, keinen Abbruch getan hat. Wenn man einmal begann zu lesen, kam man, selbst nach sehr vielen Seiten, schwer von der Geschichte los. Das lag vor allem daran, dass Chris Kraus einen wirklich begnadeten Erzähler verkörpert. Er erzählt die Familiengeschichte der Solms, eine Geschichte, in der zwei Brüder sämtliche Moralvorstellungen ablegten und zu Massenmördern wurden. Er konstruiert zwei unterschiedliche Charaktere und beschreibt, wie einem die Last wegen der Richtung, die sein Leben nahm, erdrückt und wie der andere besser mit der Situation zurecht zu kommen scheint. Man würde annehmen, dass es sich bei dem Erdrückten um Koja handelt, aber das ist eine falsche Vermutung. In einer fast schon beängstigenden emotionslosen Neutralität berichtet der Protagonist Koja von seinen Verbrechen in der Nazizeit, wie er danach lügt und betrügt und jedem in seiner unmittelbaren Umgebung manipuliert, um seine Ziele zu erreichen. Manchmal bekommt der Leser den Eindruck, dass er nicht von seinem eigenen Leben berichtet, sondern vom Leben eines anderen erzählt. Wutanfälle, Alkoholexzesse, Gewaltausbrüche und den ein oder anderen psychotischen Zusammenbruch überlässt der Protagonist den beiden anderen Akteuren im oben erwähnten Dreiecksgespann, seinem Bruder Hub und seiner Adoptivschwester Ev. Diese Dreiecksgeschichte bildet dann auch eines der wichtigsten Handlungselemente der Geschichte. Sie steht mehr als einmal im Mittelpunkt der Geschehnisse und bestimmte sogar die politischen Wege, die die beiden Brüder nach Ende des Krieges gehen. 
Als Spione der jungen deutschen Bundesrepublik müssen sie Leute abhören, Geheimnisse hüten und ein Lügenkonstrukt erschaffen, dass sich unbemerkt auch in ihr Privatleben schleicht, und dort Ereignisse hervorbringt, die den Leser immer wieder überraschen. Und somit der Sogwirkung von "Das kalte Blut" natürlich keinen Abbruch tut. 
Obwohl der Protagonist mit seiner Lebensbeichte gegenüber dem friedlich lebenden Hippie im Krankenhaus wohl nur Vergebung suchte, und klar stellen wollte, dass er an keinem Punkt seiner teils fragwürdigen und teils grausamen Taten keine Wahl hatte, lässt sich in der Handlung des Erzählens einer Lebensbeichte, wieder ein typischer Charakterzug Kojas erkennen, die er auch oftmals in seinen Erzählungen einfließen ließ, und zwar, dass er in den meisten Fällen immer nur sich selbst retten wollte. Mögen manche seiner Motive aus Liebe gewesen sein, diese Selbstsüchtigkeit konnte ich ihm trotzdem nicht absprechen. 
Auch das Ende der erzählten Geschichte von Koja Solm, möchte ich in handlungstheoretischer Sicht, positiv hervorheben. Es knüpft noch einmal an die bereits erwähnte Disharmonie im Zusammenhang mit dem Protagonisten an und bringt seine gesamte Lebensgeschichte zu einem nennenswerten Abschluss.
Wie bereits erwähnt ist "Das kalte Blut" nicht nur eine Familiengeschichte, sondern gleichsam die Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert. Nicht nur der zweite Weltkrieg wird thematisch behandelt, sondern auch die neue deutsche Bundesrepublik mit einem besonderen Hauptaugenmerk auf die Geheimdienste, in denen sich allerhand ehemalige Naziverbrecher befanden, die straflos ihren Angelegenheiten weiter nachgehen konnten. Gerade die politischen Akteure in Chris Kraus' Roman, so steht es in den Vorbemerkungen des Autoren, entsprangen zum großen Teil eben nicht seiner Feder, sondern haben wirklich existiert. An dieser Stelle sollte auch noch einmal die Danksagung lobend erwähnt werden, in der man nicht nur allerhand interessante Details zum Lesen bekommt, sondern auch einen kleinen Überblick über das enorme Recherchematerial erhält, das Chris Kraus für seinen Roman gebraucht hat.
Es ist ziemlich schwierig auf 1200 Seiten nicht einmal langatmig zu werden, doch genau das ist dem Autoren mit "Das kalte Blut" gelungen. Eine Geschichte, die sauer aufstößt, die einen wütend macht, die man aber doch nicht eine Minute zur Seite legen kann. 

Dienstag, 11. Juli 2017

Carolin Hagebölling - Der Brief



Verlag: dtv
Seiten: 220
Erschienen: 09. Juni 2017
Preis: 14.90 Euro (Ebook: 12.99 Euro)






Wenn ein Brief dein Leben auf den Kopf stellt...

Als Marie einen Brief von ihrer alten Freundin aus Kindertagen erhält, denkt sie sich zunächst nichts weiter dabei. Beim Lesen wird ihr allerdings schnell deutlich, dass sich ihr Leben mit diesen Zeilen verändern würde. Denn in dem Brief ist von Maries Leben in Paris die Rede, von ihrem Mann Victor und der erfolgreichen Galerie, die die beiden gemeinsam führen. Marie allerdings wohnt in Hamburg, lebt glücklich mit ihrer Freundin Johanna zusammen und arbeitet als freie Journalistin. Zunächst versucht Marie den Brief zu ignorieren, schnell wird ihr aber klar, dass das nicht möglich ist. Sie entschließt sich nach Paris zu reisen, um dem Geheimnis des Briefes auf den Grund zu gehen, und findet sich in einem Leben wieder, das ihr gleichzeitig furchtbar vertraut und furchtbar fremd vorkommt...

Stellt euch vor, ihr bekommt einen Brief, der von einem Leben erzählt, das ihr nie gelebt habt. Der Klappentext von Carolin Hageböllings Debütroman "Der Brief" versprach eine ungewöhnliche und spannende Geschichte und ich wurde nicht enttäuscht. 
Wir begleiten die Protagonistin Marie bei ihrem Versuch ihr aus den Fugen geratenes Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Ein Leben, das wegen ein paar Zeilen in einem Brief völlig auf den Kopf gestellt wurde. Zugegeben, ich wusste nicht wirklich, was mich in der Handlung des Buches erwarten würde. Würde der Verlauf rational gehalten werden oder gab es einfach Dinge, die man sich nicht erklären kann, und dementsprechend mystische und geheimnisvolle Elemente würde es in "Der Brief" zu entdecken geben? Nach der Lektüre ist es wohl eine Mischung aus beidem. Carolin Hagebölling ist eine gewiefte Geschichte gelungen, die mit verschiedenen Realitäten spielt und die eine Faszination ausübt, die gleichsam anziehend und verstörend wirkt. Als Leser fliegt man nur so durch die Seiten, unsicher, ob man es mit einem unerklärlichen und mystischen Phänom zu tun hat oder ob man mit einer Protagonistin konfrontiert wird, die langsam aber sicher an die Grenzen ihrer geistigen Gesundheit gelangt. Die Autorin spielt wahrlich nicht nur mit den Realitäten, sondern auch mit den Wahrnehmungen ihrer Leser, in dem sie ihnen eine Richtung weist, die zunächst als absolut richtige erachtet wird, um dann nur kurze Zeit später in Scheinheiligkeit zu versinken. Die Botschaft in der Geschichte ist so deutlich, dass sie einem von jeder Seite entgegen scheint: Nichts ist so, wie es scheint. 
Du kannst glauben den richtigen Weg gewählt zu haben und das für dich richtige Leben zu leben, nur um dann herauszufinden, dass es bloß einer winzigen anderen Entscheidung bedarf, um dein ganzes Leben komplett zu ändern. Es ist schon erstaunlich, wie es der Autorin auf gerade einmal 220 Seiten gelingt existentielle Fragen des Lebens aufzuwerfen, die einen auch über das eigene Leben grübeln lassen und wie es möglicherweise aussehen würde, wenn man eine andere Abzweigung genommen hätte.
"Der Brief" ist eine atemlos spannende Geschichte geworden, dessen Ende nicht nur besonders klug, sondern auch aussagekräftig konstruiert wurde. Nichts ist so, wie es scheint. Eine Geschichte, die zu diesen Büchern gehört, die man an einem Tag liest, die aber noch lange danach durch den Kopf geistert. 

Mittwoch, 5. Juli 2017

Margaret Atwood - Das Herz kommt zuletzt



Verlag: berlin Verlag
Seiten: 400
Erschienen: 03. April 2017
Preis: 22 Euro (Ebook: 17.99 Euro)






Stan und Charmaine sind ein nettes und ganz normales Ehepaar. Durch die Wirtschaftskrise in Not geraten, fristen sie momentan allerdings ein trostloses Dasein in ihrem Auto. Ein Auto, als Wohnort, ist, in einem aus den Fugen geratenem Land, in dem die normalen Gesetze nicht mehr gelten und Kriminalität an der Tagesordnung ist, nicht unbedingt der ideale Rückzugsort. Aus diesem Grund entscheiden sich Stan und Charmaine relativ schnell für das Positron Projekt, ein soziales Experiment, das Sicherheit und geregelte Verhältnisse verspricht. Die Bedingungen des Projekts sind allerdings höchst fragwürdig. Jeden Monat wohnen die Bewohner der streng bewachten und abgeriegelten Stadt Consilience einmal in einem Haus, das ihnen zur Verfügung gestellt wird und einmal in einem Gefängnis, in dem sie den Status eines Gefangenen einnehmen. 
In ihrer Anfangszeit in Consilience läuft es bei Stan und Charmaine gut. Sie genießen ihr sorgenfreies Leben in ihrem neuen Haus, nichts ahnend, dass sie beide, unabhängig voneinander, eine sexuelle Obsession für ihre Hauspartner entwickeln, also dem Ehepaar, das ihr Haus bewohnt, während sich Stan und Charmaine im Gefängnis befinden. Doch dann geschieht das, was nie passieren sollte. Durch einen Fehler befinden sich die beiden plötzlich in verschiedenen Zyklen und die Ereignisse in Consilience beginnen sich zu überschlagen...

"Das Herz kommt zuletzt" von Margaret Atwood war mein bereits dritter gelesener Roman der Autorin. Ich bin demnach fleißig dabei meine Bildungslücke im Atwood Bereich zu schließen.
Zunächst hat mich der ungewöhnliche Klappentext des Romans auf die Geschichte aufmerksam gemacht. Ich wusste nicht, was mich erwarten würde. Ein Gesellschaftsroman? Eine Dystopie oder doch eher eine Liebesgeschichte? Nach der Lektüre von "Das Herz kommt zuletzt" kann ich nun sagen, dass es in Stans und Charmaines Geschichte um alles ein bisschen geht. Die Wirtschaftskrise hat das Land in großes Chaos gestürzt. Orte, an denen früher das pure Leben herrschte, gleichen nun einer Geisterstadt. Die bekannten Gesetze sind außer Kraft gesetzt und auf den Straßen herrscht Kriminalität und das Recht des Stärkeren. In dieser Welt verwandelt sich das Projekt Positron, anfangs als klassische Utopie gedacht, ganz schnell in eine Dystopie. Vor allem, weil die beiden Protagonisten nach und nach hinter die Fassaden des Projektes blicken und mit der unangenehmen Wahrheit konfrontiert werden. Stan und Charmaine fungieren dann dazu als Hauptfiguren der Liebesgeschichte, die allerdings auch nicht den Lauf nimmt, den man bei Liebesgeschichten normalerweise annehmen würde. Und dann ist da natürlich noch der Gesellschaftsroman, der sich, typisch Atwood mäßig, darin äußert, dass sich in "Das Herz kommt zuletzt" Gesellschaftsanklage an Gesellschaftsanklage reiht. Atwood lässt ein normales Paar in eine Extremsituation geraten und bietet ihnen, als scheinbar einzigen Ausweg, eine rettende Insel an, die sich aber schnell ebenfalls als Extremsituation entpuppt. Doch nur weil die Protagonisten hinter die Fassade des Projektes blicken, bedeutet das nicht automatisch, dass sie zu klassischen Helden avancieren, die einander und dann auch noch den Tag retten. Viel mehr symbolisieren Stan und Charmaine das musterhafte Profil eines Menschen, der sich um jeden Preis anpassen will. Jemand, der vielleicht viel redet und sich viel vornimmt, das aber nicht umsetzt. Stan und Charmaine sind keine Figuren, die ihr Schicksal in die Hand nehmen und etwas daran ändern möchten, sondern die sich von dominanten Persönlichkeiten führen lassen. Vom Verhalten der Protagonisten ausgehend, hat mich dann das Ende der Geschichte nicht weiter überrascht. 
Margaret Atwood konnte mich auch mit diesen Roman begeistern. Böse und scharfsinnig hält sie der Gesellschaft permanent einen Spiegel vor. Einer Gesellschaft, die nach Perfektion strebt und durch ihre eigenen Fehler immer wieder zurückgeworfen wird. Aber genau hier scheint auch die Botschaft der Geschichte versteckt zu sein und zwar, dass der Mensch nun einmal nicht perfekt ist, dass an diesem Umstand aber nichts auszusetzen ist, so lange man nicht vorgibt etwas zu sein, dass man nicht ist. 
"Das Herz kommt zuletzt" ist verrückt, die Geschichte macht Spaß und stärkt immer mehr den fortwährenden Eindruck, dass Margaret Atwood tatsächlich die coolste Autorin der Welt ist. 

Mittwoch, 21. Juni 2017

Jonas Winner - Murder Park




Verlag: Heyne
Erschienen: 13. Juni 2017
Seiten: 414
Preis: 12.99 Euro 
(Ebook: 9.99 Euro)







Herzlich Willkommen im Murder Park, treten Sie ein, wenn Sie sich trauen!

Ein Insel vor der Ostküste der USA, die vor vielen Jahren den Freizeitpark 'Zodiac Island' beheimatete. Einen Ort der Freude und des kindlichen Vergnügens, bis ein Killer drei Frauen auf bestialische Art und Weise in dem Park tötete und dieser daraufhin geschlossen wurde. 
Zwanzig Jahre später ist vom ursprünglichen 'Zodiac Island' nur noch ein paar Ruinen übrig geblieben. Doch die Insel soll durch ein neues Projekt wieder belebt werden. Der sogenannte 'Murder Park' steht ganz im Zeichen von berühmten Serienkillern und soll mit den Ängsten seiner zukünftigen Besuchern spielen. 
Paul Greenblatt schließt sich mit elf weiteren Personen einer Pressevorführung, vor der offiziellen Eröffnung des Parks, an und will das Wochenende auf dem ehemaligen Gelände von 'Zodiac Island' verbringen. Doch plötzlich geschieht ein Mord und schnell wird deutlich: ein Killer geht auf der Insel um. Jegliche Verbindungen zur Außenwelt werden gekappt und die nächste Fähre kommt erst in drei Tagen...

Obwohl das Szenario, das Jonas Winner in seinem Thriller "Murder Park" inszeniert schon unzählige Male in anderen Büchern und Filmen genutzt wurde, hat es für mich persönlich immer wieder einen ganz individuellen Reiz. Eine Gruppe von Personen, ausgesetzt und abgeschnitten von der Außenwelt, konfrontiert mit dem Unvollstellbarem und niemand, der weiß, ob sich ein unbekannter Mörder auf der Insel aufhält, oder ob der Killer möglicherweise sogar unter ihnen weilt. Jonas Winner bedient sich hier an einem Stoff, der sicherlich nicht neu ist, und trotzdem hat es mich überrascht, wie anders und wie neu "Murder Park" schlussendlich doch geworden ist.
Das lag vor allem an dem Protagonisten Paul, über den man zunächst im Unklaren gelassen wird. Lange ist man sich, als Leser, auch überhaupt nicht sicher, ob Paul wirklich die Hauptfigur in der Geschichte ist, bis dann, im Laufe der Handlung, immer mehr Details aus seiner Vergangenheit bekannt werden, die den Leser in wilde Spekulationen ausbrechen lassen und Paul einen mehr als deutlichen Status einer Hauptfigur verleihen. Der nächste Punkt dreht sich um die Schuldfrage. Natürlich wird mit dieser, angesichts des beschriebenen Szenarios, auf allen möglichen Arten und Weisen gespielt. 
Wer könnte der Killer sein?
Doch Jonas Winner hebt das Spielen mit der Schuldfrage noch einmal auf ein ganz neues Level, in dem er seine Figuren, die allesamt zunächst völlig undurchsichtig erscheinen, nach und nach immer sichtbarer macht. Das geschieht vor allem durch Unterbrechungen in der Erzählstruktur von "Murder Park", die sich in diesem Fall durch Interviews der einzelnen Protagonisten, durch einen Psychiater, der die Tauglichkeit der Personen für die Pressevorführung testen soll, äußern und immer wieder zwischen den einzelnen Kapiteln eingeschnitten wurden. So wird der Leser, genau wie bei der Hauptfigur Paul, schrittweise mit einzelnen Fragmenten der jeweiligen Vergangenheiten der Protagonisten konfrontiert und weiß dann irgendwann überhaupt nicht mehr, wer auf der Insel das mörderische Spiel treibt. 
Auch die Doppelmoral, die der Leser empfindet, wenn er erfährt, um was es eigentlich bei "Murder Park", als Attraktion, geht, möchte ich noch einmal hervorheben. Man reagiert empört auf die Idee einen Themenpark zu kreieren, bei denen reale Serienkiller im Vordergrund stehen und auch die Details zu dieser Idee, die erst im Laufe der Handlung ausführlich erörtert werden und auf die ich, aufgrund der Erhaltung der Spannung, an dieser Stelle nicht weiter ausführen, feuern diese Empörung noch einmal an.
Was ist mit den Angehörigen der Opfer?,denkt man sich als Leser moralisierend. 
Wie voyeuristisch muss man veranlagt sein, um so einen Park besuchen zu wollen?
Gleichzeitig entdeckt man sich selbst, als Leser, in dieser Rolle des Voyeurs, da man ganz klar Zuschauer der mörderischen Ereignisse im 'Murder Park' ist. Natürlich findet man diese Doppelmoral in vielen Thrillern, bei Jonas Winner's "Murder Park" ist sie mir allerdings auf jeder Seite ins Gesicht gesprungen. 
Der Schauplatz, der auf den Ruinen eines ehemaligen Freizeitparks angesiedelt ist, in dem gemordet wurde, steuert dann sicherlich sein Übriges zur absolut gruseligen Atmosphäre in "Murder Park" bei. Ein unglaublich spannender und gelungener Thriller, der bereits etwaig gezogenen Hitchcock Vergleichen absolut gerecht wird. Und um noch einmal auf die Schuldfrage zurückzukommen, mit dem Ende hätte ich nicht gerechnet.